Samstag, 22. Oktober 2011

Noch mehr Neues, anderes.....


Seit einigen Tagen ist mein erster Rundbrief aus Ghana raus. Wer diesen noch in seinem Posteingang vermisst, bitte melden.

Es liegt eine gute Woche hinter mir, das Arbeiten und damit verbundene Leute treffen, neues lernen, hat echt Spaß gemacht!

Der für uns Zuständige an der Klinik meinte zu Beginn: Wenn wir zur Mittagspause gehen wollen um 12h ist das ok, wir müssen auch nicht wieder kommen wenn wir uns ausruhen möchten (Klinik schließt normalerweise um 14h). Und wir sollen uns nicht zwingen zur Arbeit zu kommen wenn wir krank sind und uns nicht wohlfühlen. Tja, sowas in Europa gesagt zu bekommen wäre manchmal schön ;). Doch leider ist man ja bei uns soweit, dass man eine Krankmeldung sogar teilweise ab dem ersten Tag benötigt, weil es ansonsten genug Leute gibt die das ausnutzen! Für hier kann ich nur soviel sagen: Wir werden gut umsorgt weil niemand will das es uns nicht gut geht oder die Arbeit und alles andere zu viel wird.

Jedoch kommen die Leute, die hier sonst an der Klinik arbeiten, auch wenn sie nicht ganz fit ist. Hier gibt es nämlich in 90% der Fälle niemanden der stattdessen die Arbeit übernehmen kann. So haben wir auch nur eine Hebamme die eben ran muss wann auch immer Geburten sind. Ob das nun eine oder keine oder eben auch mal 6 Geburten an einem Tag bzw Nacht ist! Das Spannende ist, dass man nicht nur viele Neue Dinge kennenlernt, sondern auch das andere und Vertraute beginnt mehr zu hinterfragen. Vor ein paar Tagen hat mich jemand gefragt ob es hier denn besser oder schlechter ist als in Deutschland. Darauf konnte ich nur sagen das es einfach total anders ist als in Deutschland. Klar ist die medizinische Versorgung besser, aber ob auch alles gut ist was wir mit diesen vielen Möglichkeiten tun? Leben zum Teil aufs verbissenste zu erhalten? Ich weiß es nicht. Ich merke immer wieder, das es einfach jeweils die Extreme sind und es irgendwie toll wäre wenn es etwas dazwischen gäbe.

Ausreichend medizinische Versorgung, aber nicht zu viel des guten. Ein Leben mit ein klein wenig Luxus, aber nicht zu viel Überfluss der uns ständig nach mehr schreien und verlangen lässt. Man kommt mit so viel weniger aus, wenn es sein muss und merkt das einem nicht wirklich etwas fehlt, es mehr der Gedanke daran ist was man haben könnte, der es einem etwas schwer macht zu verzichten.

Und letztendlich ist die Frage, die jedem bleibt, ob arm oder wohlhabend: Was mache ich aus meinem Leben, was mache ich aus meinem Tag? Wie gehe ich mit dem um was ich habe? Und ich bin mir nicht sicher ob unser Wohlstand es uns eher erleichtert oder erschwert ein „sinnvolles“ Leben zu führen.

Wie ihr seht bringt mich hier einiges zum Nachdenken und es tut mir gut mal einiges aus einer anderen Perspektive zu sehen, die man hier zwangsläufig mitbekommt. Man wird sich viel bewusster über den Alltag den man hatte, wenn man mal einen komplett anderen Alltag kennen lernt.

Sehr vieles ist anders hier, aber ich genieße es...den Tag nehmen wie er kommt weil man nie weiß ob es regnet oder ob alles hinhaut was das deutsche Hirn so vor sich hinplant. Man lernt, sich über die „kleinen“ Dinge (merke schon das sowas wertend ist -klein,groß- und sich hoffentlich bald aus meinem Denken schleicht) zu freuen.

Hoffe ich kann euch im Laufe der Zeit und auch jetzt schon, ein bisschen was von dem vermitteln was hier anders, einfacher, schöner, schwieriger....ist und ihr das auch nachvollziehen könnt :)


Viele Grüße aus Nakpanduri und einen schönen Sonntag und eine tolle Woche!

Elisa

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